Interview mit M. Portera

> Breeder Interview mit Mario Portera aus Düsseldorf <

Mario, wie lange hast du deine Leidenschaft schon zu den Garnelen ?

Das Interesse kam über den Umweg Aquarium. Seit ca. 5 Jahren haben wir ein Gesellschaftsbecken. Bei der Internetrecherche über ein neues Paar Zwergbuntbarsche sah ich zufällig Bilder von Zwerggarnelen (Sakura). Da kam der erste 30er Cube mit Sakura Garnelen ins Haus. Irgendwann stieß ich auf das Thema Taiwaner. Ich war fasziniert von schönen Single Stripe King Kongs. Dann kamen das zweite und dritte Becken, mit F1ern und King Kongs. Im Vergleich zu den Sakura Becken aufwendig im Betrieb, da die Haltungsbedingungen bei Caridina cf. cantonensis ja anders sind.

Zu dem Taiwaner Thema war ich viel in internationalen Foren und habe viele Berichte von Haltern und Züchtern gelesen. Dabei stieß ich dann zufällig auf Bilder von japanischen Hochzucht-Red Bees und konnte nicht glauben, dass Erwachsene Menschen vierstellige Beträge für ein ca. 30mm großes Tier bezahlen, dass von jetzt auf gleich ein Häutungsproblem haben kann und einfach so umfällt.

Allerdings war ich sehr angetan von den wunderschönen Red Bees. Besonders von einem Bild einer wunderschönen No Entry gezeichneten Red Bee. Das war der Beginn meiner Leidenschaft für Hochzucht-Red Bees. Vorher war es eigentlich nur Interesse, wie ich aus heutiger Sicht sagen kann.

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Du betreibst eine kleinere Zucht, dafür aber mit sehr hübschen Exemplaren. Erzähle uns was über deine Red Bee Linie ?

Danke Jürgen. Nachdem die Leidenschaft entfacht war, beschäftigte ich mich immer mehr mit dem Thema Red Bee-Hochzuchten. Zeichnungen, Qualitätsmerkmale, Hintergründe, Pure Red Line, Linien in Deutschland, Haltungsbedingungen usw. Ende 2011 habe ich die Sakura Garnelen abgegeben und mein erster kleiner Trupp Akaebinosato Bees zog ein. Das war seinerzeit die einzige Möglichkeit für mich ausselektierte Bees einer japanischen Linie zu bekommen. Ein paar Crowns und Mosuras. Die sahen jetzt lange noch nicht aus wie die auf den Fotos aus japanischen Auktionshäusern, aber irgendwie muss man ja anfangen, dachte ich mir seinerzeit. Weiterhin war mir wichtig, dass ich die Bees in örtlicher Nähe bekommen konnte und ich wollte unbedingt aus „erster Hand“ welche, also vom Ersten und Einzigen der diese Linie aus nach Deutschland brachte, um sicherzustellen, dass es nicht irgendwelche Bees aus xter Hand sind, bei denen es vielleicht schon zu „Verunreinigungen“ (Einkreuzungen) der Linie gekommen ist. Mit der heutigen Erfahrung würde ich jedoch solch einer Qualität meiner ersten Red Bees nicht mehr anfangen.

Webseite „JustBee“

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Die Akaebinosatos entwickelten sich relativ gut und bereits nach kurzer Zeit gab es das erste tragende Weibchen mit wenigen Eiern. Die Taiwaner habe ich letztes Jahr abgegeben, da ich mich voll und ganz auf die Red Bees konzentrieren wollte.

Während sich die Akaebinosatos langsam vermehrten, plante ich ein größeres Becken um bessere, natürlichere Bedingungen zu schaffen. Es sollte ein Mix aus „Japanischem Zuchtbecken“ – viel Wasser, viel Licht und „Natur – sprich Pflanzen“ werden. Nebenbei war ich immer auf der Suche nach schönen Akaebinosatos um den kleinen Trupp mit frischen Blut und möglichst besserer Qualität zu erweitern. Durch Zufall ergab es sich, dass ich ein größeres Becken mit sehr wenigen schönen Akaebinosatos übernehmen konnte, bei denen ich auch die Herkunft überprüft habe.

Da stand ich nun, ein Becken, dass ungefähr meinen Vorstellungen entsprach und ein paar Akaebinosatos unterschiedlicher Qualität und Zeichnungen.

Mittlerweile hatte ich auch aus Einzelverpaarungsversuchen Erfahrungswerte über die Mustervererbung und Qualität (Farbdichte) der Nachzuchten gesammelt. Von den Breedingboxen mache ich keinen Gebrauch mehr. Die Bees fühlen sich nicht wohl in den Boxen und mir ist aufgefallen, dass die Jungtiere in den Breedingboxen langsamer wachsen, egal ob gefüttert wurde oder nicht. Die Breedingboxen waren mit einer dünnen Schicht ADA Powder und Moos ausgestattet.

Natürlich sammelte ich auch Erfahrungen in den Haltungsbedingungen. Es lief nicht immer alles perfekt und es gab auch den ein oder anderen Rückschlag.

Von meinem Idealbild einer schönen No Entry war ich jedoch noch entfernt. Ich überdachte dann nochmal alle meine gemachten Erfahrungen und entschied mich für einen radikalen Neuanfang.

„Wenn du gehst, gehe. Wenn du sitzt, sitze. Und vor allem: Schwanke nicht.“ (Zen Weisheit)

Nach dem Motto reduzierte ich den Bestand auf die 7 besten Bees, um meinem Idealbild einer No Entry langsam aber konsequent näher zu kommen.

Geplant waren 2 Becken. Eines für die Besten JustBee No Entry und ein weiteres Becken mit identischem Setup in dem langfristig ein zweiter Stamm aus dem ersten entstehen sollte. Zur Sicherheit, falls mal etwas mit einem Becken sein sollte und um später die eigenen Stämme wieder zu mischen. Zur reinen Selektion hätte mir ein Becken gereicht, da wir noch das Gesellschaftsaquarium haben.

Mittlerweile habe ich wieder 3 Bee Becken, aus folgendem Grund: Unter dem No Entry Nachwuchs war eine außergewöhnlich gut gefärbte Flowerhead. Diese wollte ich jedoch nicht im No Entry Becken belassen, da es für mich nicht konsequent gewesen wäre, die Muster „No Entry“ und „Flowerhead“ in einem Becken zu haben.

Ich setzte die Flowerhead in das zweite Becken mit wenigen weiteren Weibchen. Als ich japanischen Besuch hatte, sahen diese die Flowerhead. „Sekkohka!“. Ich fragte, was das heißt. „Wunderschön, wie eine Rote Blume in weißem Schnee“. JustBee – Sekkohka  雪紅華 ( Rote Blume auf weißem Schnee ) ist nun der Name des zweiten Beckens, in dem ich gezielt mit „Sekkohka“ 雪紅華  weiter züchten möchte. Das Bild hat zwar eine ungewöhnliche Perspektive und der Weißabgleich ist missglückt (alles zu gelb), zeigt aber im Bereich des 3ten bis 5ten Abdominalsegmentes (hintere Panzerplatten nach der sogenannten Tigerschaufel) sehr schöne dicht ausgefärbte Panzer bis zum letzten „Mikromillimeter“. Das sind zB. Merkmale auf die ich bei Fotos von Red Bees achte.

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Im dritten Becken sind Jungtiere, bei denen ich mir noch nicht sicher bin, ob diese zur Weiterzucht eingesetzt werden.

In das dritte Becken kommen alle Jungtiere, die sofort aus der Zucht genommen werden oder noch nicht ganz geschlechtsreif sind. Dadurch steuere ich, dass sich in dem JustBee No Entry und in dem Sekkohka 雪紅華  Becken nur die besten Tiere vermehren.

Wie kamst du auf den Namen „JustBee“ ?

Eigentlich geht es bei Red Bees doch „nur“ um das Rot und das Weiß. Ein „Klangvoller/Bekannter“-Linien Name ist kein Garant für eine qualitativ hochwertige Bee mit perfektem Rot und Weiß. Und, der Name lenkt eher vom wesentlichen, der Bee, ab. Der einzige der Einfluss auf die Qualität der Bees nehmen kann, ist der Halter bzw. Züchter. Basierend auf der ursprünglichen Qualität, die der Vorzüchter/-Halter erreicht hat.

Da ich nicht Mr. Shinzuke (Anmerkung: Name des japanischen Züchters und Namensgeber der Akaebinosato Linie) bin, gleichzeitig aber meine eigenen Zuchtziele verfolge und für die Qualität meiner Bees selbst verantwortlich bin, wollte ich dies auch in einem Linien-Namen verdeutlichen.

Das steckt eigentlich hinter dem Namen. Gekommen auf den Namen bin ich, als ich beim „Sonnenuntergang“ in dem JustBee Becken meine schönste Bee beobachtet habe. Diese strahlte einfach nur in Rot und Weiß. Dabei ging mir „Just Red. Just White. Just Bee – my Akaebinosato Offspring.“ durch den Kopf.

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Du erwähnst, dass es sich um eine pure rote Linie handelt. Wie vererben sich bei dir die Zeichnungen ?

Ja, es handelt sich um einen Pure Red Line Stamm. D.h. es fallen nur Weiß/Rote Bees. Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich besonderen Wert auf die Herkunft der Tiere gelegt habe.

Beide Elterntiere haben Einfluss auf die Zeichnung, wobei das weibliche Tier anscheinend einen etwas stärkeren Einfluss hat, als das Männliche. Meist kann man anhand der roten Carapax Färbung eindeutig die Mutter oder den Vater der F1 identifizieren.

Bees, mit einem höheren Weißanteil als die Elterntiere fallen selten. Bei einer Verpaarung von Mosura/Flowerhead und No Entry sind in der F1 jedoch Tiere mit weniger Rotanteil. Beispielweise Half Moon oder die No Entry Striche werden dünner. Wobei sich bei meinen Bees der Phänotyp No Entry scheinbar gefestigter hat.

Ich bin gespannt auf die weiteren Ergebnisse bei Rückkreuzungen, genauer mit der F2 und F3, mit den Elterntieren (Quasi Rückkreuzung der Enkel mit den Großeltern). Ob es dazu kommt, kann ich noch nicht sagen, da ich, wie gesagt, konsequent nur die Beste JustBee zur Weiterzucht verwende.

Gerne ein Beispiel um das ganze mal zu Quantifizieren und dadurch transparenter zu machen… Aus der Verpaarung einer No Entry und einer Mosura mit Sekkohka 雪紅華 Kann ich folgende Bilanz ziehen. 27 Jungtiere, davon 5 Crowns, 3 V-Band und der Rest ist No-Entry. Jetzt muss man erst mal abwarten, wie die Qualität der F1 ist. Dann müssen da auch noch Weibchen bei sein und erst dann wird es hoffentlich eine R1/2/3 mit Sekkohka 雪紅華 geben. Das dauert mindestens 8 Monate bis zur R1. Respekt vor all denen, die zB. eine Erbfeste K14 Linie gezogen haben.

Die obige Frage habe ich gestellt, da ich Red Line Stämme kenne, in der auch vereinzelt Tiere fallen, die nur noch einen roten Punkt im Bereich des Kopfes aufweisen, oder sogar das Rot fast ganz verschwunden ist. Diese gehen bei vielen Züchtern direkt als Snow White durch, aber in eigenen Versuchen mit diesen Tieren eine Rückkreuzung zu starten, so fielen wiederum Tiere von Band bis zB. Smilie Head. Wie siehst du das, bzw. kommt es vor, dass auch in deinem Stamm mal ein ganz geringer Prozentsatz solcher Tiere fallen ?

Nein, solche Tiere hatte ich noch nie bei meinen JustBees, also keine sogenannten Snow Whites und auch keine „mit fast komplett verschwundenem Rot“. Ich habe jedoch ein solches ausselektiertes Tier von einem anderen Züchter letztes Jahr erworben, da es einzigartig war. Es hatte nur einen roten Strich im Nacken, jedoch nicht so prickelndes Weiß. Ich wollte testen, ob durch die Verpaarung dieses Tieres mit einer No Entry sich der Weißanteil der F1 erhöhen lässt. Gleichzeitig wollte ich das nicht so gute Weiß des ausselektierten Tieres durch das bedeutend bessere Weiß meiner eigenen Nachzuchten in der F1 und R1 verbessern.

Die F1 Tiere aus dem Versuch hatten keinen sonderlich höheren Weißanteil als sonst auch. Weiterhin war mir die Qualität des Nachwuchs nicht gut genug. Daraufhin habe ich diese Tiere einschließlich dem Elterntier komplett zu den Neons gegeben. Das Risiko war mir zu groß, dass sich auf Kosten eines Musterexperimentes die Qualität der Farben und Farbdichte in dem Hauptstamm verschlechtert.

War ein teures Experiment, aber das Ausselektieren und Fokussieren war aus heutiger Sicht absolut richtig. Es hätte vermutlich auch Ewigkeiten gedauert (wenn überhaupt), bis in dem Nachwuchs eine Flowerhead wie Sekkohka 雪紅華, eine Spontanmutation bei den No Entry, gefallen wäre.

Ich persönlich möchte auch keine komplett weißen Tiere haben, da mir das kontrastierende Rot fehlen würde.

In wie vielen Tanks selektierst du deinen JustBee Stamm ?

Alle Jungtiere aus dem JustBee No Entry und dem JustBee Sekohka Becken gehen entweder sofort oder vor der Geschlechtsreife ins Becken 3.

Eigentlich würde mir ein Becken zur Selektion reichen, da ich mit einer Bee weiterzüchte oder nicht. Ich habe jedoch beobachtet, dass sich manche Tiere von den Farben her doch noch ganz gut entwickeln, wenn diese ca 4-5 Monate alt werden. Genauso auch andersherum. Die Farbdichte bei Jungtieren ist oft viel höher als bei ausgewachsenen Bees. Daher ein drittes Becken, damit ich mir diese Bees nochmal ansehen kann wenn diese Größer sind. Vielleicht habe ich in der Vergangenheit zu streng selektiert. Wobei, das gilt nur für Tiere, die den anderen Selektionskriterien entsprechen. Wenn die Antennenpaare z. B. nicht von Anfang an gefärbt sind, dann färben die sich auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt. Diese Tiere kommen nicht mehr zur Zucht in Frage.

Auf dem Bild unten ein Beispiel. Die Kleinen sind erst zwischen 6mm und 9mm groß. Die rechten kommen nicht mehr in Frage. Unabhängig von der fehlenden Färbung der Antennen, dass Weiß der linken Mosura ist bereits jetzt sehr gut. Das ist eine Bee die ich weiter beobachten werde.

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Wie akribisch gehst du beim Selektieren vor ?

Jungtiere, egal welcher Größe, die nicht mindestens Hinomaro sind, werden sofort ausselektiert. Wenn die oberen Antennenpaare nicht weiß sind, auch. Das kann man schon sehr schnell entscheiden. z. B. ab ca. 5-7 mm Größe.

Die Ausfärbung des Schwanzfächers und der Beine dauert länger. Schwanzfächer, die zu viel Rot beinhalten, werden ausselektiert.

Sobald die Bees groß genug sind, um die Farbdichte, trennscharfe Übergänge von Weiß/Rot zu beurteilen, werden diese dementsprechend selektiert.

Anschließend die Farbformen (Rot) und ggf. Maro Ten Punkte. Zu viele Maro Ten oder asymmetrische Maro Ten Punkte mag ich z. B. nicht.

Erst wenn das Geschlecht bestimmt ist, mache ich mir einen neuen Gesamteindruck der Bees. Im Idealfall haben die Bees dann noch rote Beine.

Ich habe z. B. einen leichten No Entry Halbseiter mit wunderschönen Farben, -dichte- und -form- und roten Beinen wieder zu dem Hauptstamm gegeben.

Wenn die Bees wieder im „Hauptstamm“ sind, beobachte ich diese weiter. Dabei achte ich auf Agilität, Fertilität der Weibchen, Vitalität, Ausformung der Panzerplatten, des Carapax, Antennen, Körperform insgesamt, Körperhaltung und Gesamtgröße bei ausgewachsenen Tieren. Es kann durchaus sein, dass ein Tier wieder herausgenommen wird.

Welche Merkmale sind für dich besonders wichtig an den Tieren ?

Just Red. Just White. JustBee 😉

Am wichtigsten ist mir die Qualität der Farben (Weiß und Rot) und die „Vitalität/Gesundheit“ der Bee, Beispiel: Welchen Sinn macht eine wunderschöne Bee, die sich jedoch nicht so gut vermehren möchte, Klein förmig ist oder Inzucht-Anzeichen wie eingerollte Antennen aufweist.

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Wie verhält sich die Farbgebung der Beine und gehst du eher in Richtung roter Beine, oder bevorzugst du weiße Beine ?

Die Beinfärbung ist unterschiedlich. Manche haben weiße und rote Segmente oder nur rote, manche besser oder weniger gefärbt. Ich habe im ersten Step den Fokus auf den oben beschriebenen Kriterienkatalog gelegt. Ich könnte mich nicht an schönen roten Beinen erfreuen, wenn die anderen Kriterien nicht erfüllt sind oder, das Weiß der Bee eine mittelschwere Katastrophe ist. Daher musste ich z. B. ein paar schöne V Band mit tollem Rot, Weiß und grandiosen rot ausgefärbten Beinen leider aus der Zucht nehmen. V Band ist ein (De-)Selektionskriterium für mich.

Im Idealfall hätten die No Entry rote Beine und die Flowerheads komplett Weiß. Aber da muss man ganz realistisch sein, dass erreicht man erst mit einer gewissen Masse an Zuchttieren und mit dem Segen des Garnelengotts einer Spontanmutation. Aufgrund der sehr strengen Selektionskriterien muss ich ja auch noch darauf achten, dass ich nicht alles „wegselektiere“ und nur noch 3 Bees oder so im Becken habe.

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Wie siehst du das Angebot an guten Red Bee Stämmen derzeit innerhalb Deutschlands ?

Schwere Frage, denn… Um eine Bee wirklich beurteilen zu können, muss man diese und den Stamm selber sehen. Fotos von Einzeltieren sind nicht immer so aussagekräftig, da es einfach sehr viele Faktoren bei der Fotografie gibt, die jene Farberscheinung beeinflussen und gerade für Laien kaum zu beurteilen sind. Jedoch finde ich schon, dass man anhand von Fotos schon vieles erkennen kann, wenn diese nicht zu stark überbelichtet sind und es sich nicht um Handyfotos handelt, auf denen man 20 weiße Punkte verteilt in einem 30Liter Cube sieht. Zum Beispiel Körperform, Farbabgrenzungen, Pigmentierung der Panzerplatten, besonders die Dichte zu den unteren Rändern kann man schon auf einigermaßen guten Bildern beurteilen. Das Bild unten z.B. ist etwas überbelichtet und ein Zufallstreffer, da die Bee in Bewegung ist. Die Farbdichte und gut gefärbten Beine erkennt man schon auf dem Foto.

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Weiterhin hat vermutlich jeder eine eigene Vorstellung und auch Erfahrung von „guten Stämmen“ und auch Vorstellungen von „Top-Tieren“. Daher kann ich eigentlich nur für mich sprechen… Ich habe es aufgegeben, in Deutschland und auch im europäischen Ausland nach besseren Bees für meine JustBees zu suchen. Selbst Gespräche mit einem englischen Importeur brachten kein Ergebnis, da vergleichbare Tiere, die ich suchte, bei ca. 2300€ lagen. So sehr mir das Thema am Herzen liegt, aber 2300€ für etwas das man vorher nicht gesehen hat? No Way.

Weiterhin haben mir die Gespräche mit Mura Kilic geholfen ein realistisches Bild von Red Bees, Züchtern und Linien aus Asien zu bekommen. An der Stelle vielen Dank Mura für die immer neutralen Gespräche.

Was ich schade finde ist, dass man keine hochwertigen Bees in Deutschland regulär in einem Geschäft kaufen kann. Meines Wissens gibt es nicht ein Geschäft mit entsprechenden Angeboten. Und das kann eigentlich nur an der mangelnden Preisbereitschaft in Deutschland und dadurch an dem nicht vorhanden Markt liegen.

Vielleicht noch zu dem Thema… Jeder, der mit dem wunderschönen Hobby beginnen möchte, sollte sich im Klaren darüber sein, dass es nicht reicht, mit wenigen ausselektierten Bees anzufangen und zu hoffen, dass sich die Qualität durch Selektion schnell verbessert. Man sollte mindestens 1 – 2 wirklich sehr gute Tiere im „Starttrupp“ haben, die Qualität weitergeben können. Gekoppelt mit Geduld und Respekt vor der Natur. Damit meine ich, dass man versucht den Bees optimale Haltungsbedingungen zu bieten damit diese sich wohl fühlen – nicht damit diese sich am effizientesten in einem 10 Liter Cube mit Baumarkt LED Beleuchtung vermehren.

Erzähle uns was zum Setup der Tanks. Verwendest du neutralen Bodengrund, oder aktiven Bodengrund (Soil) ?

JustBee, No Entry Becken…

80er Blau Becken. Akadama und ADA Powder Soil mit Bodenfilter. An den Bodenfilter sind 2 Außenfilter in Reihe angeschlossen. Die Außenfilter sind mit Siporax bestückt. Zusätzlich ein Schwammfilter und einen Söchting Oxidator im Becken. Bodendecker ist Marsilea hirsuta. Korallenmoos auf Wurzeln und etwas X-Mas Moos.

JustBee, Sekkokha Becken…

80er Blau Becken. Borneo Wild Shrimp Soil und ebenfalls Bodenfilter an dem 2 Außenfilter in Reihe angeschlossen sind. Schwammfilter und Söchting Oxidator sind auch in diesem Becken. Als Bodendecker HCC und Marsilea hirsuta. Fissidenz Moos auf Wurzel. CO2 Anlage über PH-Controller, CO2 Zielwert max. 20 mg/l.

Die beiden Becken werden jeweils über zwei 30 Watt Hochleistungs-LED Spots und eine Aquastyle RGB LED Leiste beleuchtet.

Die Lichtsteuerung übernimmt ein GHL Profilux Aquariumcomputer. Dieser steuert Sonnenauf- und -untergang, Mondphase, Bewölkung- und Gewittersimulation.

Übergangsbecken Dennerle 30 L Cube mit Standard Beleuchtung 11 Watt Amazonia. Wild Borneo Shrimp Soil mit Bodenfilter und Circulator. Etwas Fissidenz Moos und Wurzel.

In allen Becken ist eine gute Strömung. Umwälzung ca. die 3fache Aquarienwassermenge/Stunde. Die Strömung ist kontrolliert eingestellt, so dass überall deutliche Wasserbewegung im Becken ist.

Alle Becken haben ca. 22 Grad. Die Heizer sind an das Licht gekoppelt um nachts Temperaturschwankungen herbeizuführen.

Die Temperatur wird in allen Becken über ein Thermostat gesteuert. Bei 25 Grad schaltet das Thermostat Lüfter ein.

Wie ist deine Wasserbeschaffenheit im Einzelnen ?

Ich messe regelmäßig den Leitwert dieser schwankt und liegt bei 300 – 330 µS. Die GH liegt immer mindestens bei 6. Kh=0, NO2=0 bzw. die unterste Stufe auf den JBL Farbkarten. No3 ist im JustBee No Entry Becken kaum nachweisbar. Im Sekkohka Becken fast 10mg/l da ich dort Mikro und Makronährstoffe dünge um das HCC besser zu versorgen. NH4<0,05 mg/l. PO4=0,05mg/l und Eisen <0,02. Der PH Wert liegt bei ca. 5.5. CO2 Gehalt im Sekkohka Becken bei ca 20mg/l. Im JustBee No Entry Becken CO2=0.

Wasserwechsel erfolgen mit LW 280µS +/- 20µS.

Verwendest du besondere Wasserzusätze wie Aufbereiter / Vitamine oder Sonstiges ?

Ich wechsle ca. 20% jede Woche. Alle 6 Wochen ca 40-60%. Bei den großen Wasserwechseln lasse ich den niedrigen Wasserstand für mehrere Stunden. Das Wechselwasser ist Leitungswasser, dass über einen Mischbettentsalzer gefiltert wird. Dies wird mit Bee Shrimp Mineral Plus auf ca 270µS aufgehärtet und auf die fast identische Temperatur des Aquarienwasser gebracht.

Nach dem Wasserwechsel mische ich etwas Polytase, Benibachi Bee Strong, Benibachi Super Bacteria Mix, Benibachi Bee3 und Benibachi Super Enzyme in einem Behälter mit Aquarienwasser an und verteile dies in den Becken. Darüber kontrolliere ich auch, ob die Strömung stimmt.

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Wie schaut die Fütterung deiner JustBee aus ?

Ich füttere 2x die Woche wie oben beim Wasserwechsel beschrieben und in dem Video gezeigt. Je nach Besatzstärke ab und an mal ein Stick Benibachi Red Bee Ambitious oder Bio Tiefkühlspinat. Mir ist wichtig, dass die Becken einen Bodendecker und damit eine ausgewogene Mikrofauna haben. Davon ernähren sich die Bees hauptsächlich. Die Jungtiere finden so genug Aufwuchs und können auch ungestört von den Großen Nahrung aufnehmen. Diese kamen übrigens auch vor dem Einsatz von Polytase hoch und in beiden Becken gleich gut. Zur Erinnerung: In dem JustBee Becken ist ADA Powder und in dem anderen ist Wild Borneo Shrimp Soil. Da sich das verhalten der Bees bei der Nahrungsaufnahme schlecht in Worte fassen lässt habe ich die unterschiedlichen Fütterungen in dem Video für die Leser festgehalten.

Im Selektionsbecken ist kein Bodendecker, daher füttere ich dort stärker und auch proteinreicher. Mal Benibachi SP, mal Benibachi Red Bee Ambitious.

Ausprobiert habe ich viel. Futterplättchen oder Granulate nutze ich nicht, da sich die größten meist die Plättchen nehmen und damit verschwinden. Die Benibachi Sticks zerfallen besser als andere Sticks, die ich ausprobiert habe. Das hat den Effekt, dass sich die Partikel schnell lösen und verteilen und so auch die Jungtiere etwas abbekommen.

Von Farbzusätzen halte ich nichts. Ausprobiert habe ich die Produkte, jedoch kann kein Farbzusatz aus einer „schlechten“ Bee eine gute zaubern. Kein Farbzusatz ersetzt Selektion.

Ich denke, dass es auch andere japanische Hersteller mit vergleichbaren Produkten gibt. Dass es viele Benibachi Produkte sind, liegt nur daran das ich entsprechende Proben bekommen habe und damit auch zufrieden bin.

Ist Laub auch ein Thema bei dir und welche Laubsorten bevorzugst du ?

Nein, ich nutze kein Laub. Wie gesagt, ich setze eher auf Bepflanzung und Bodendecker. Der Bodendecker wiederum benötigt viel Licht.

Da fällt mir noch was ein… Ich sah mal eine junge Bee, die auf der Seite lag und sich kaum noch bewegte. Ich habe diese Bee sofort in eine der ständig mitlaufenden Breedingbox gesetzt und zwei Pumpenhübe Benibachi First Aid dazu gegeben. Der Bee ging es schlagartig besser. Ich habe das Produkt seitdem nie wieder gebraucht, bin jedoch froh, dass es zur Not im Kühlschrank steht.

Hast du dir was für die Zukunft vorgenommen mit deinem Red Bee Stamm ?

Ich hoffe erst mal, dass ich die Qualität halten und auch verbessern kann. Just Red, Just White, JustBee halt.

Bienengarnelen-Info.de möchte sich recht herzlich bei Mario für die Einblicke seiner JustBee-Akaebinosato bedanken.